In VereinsarbeitFebruar 16, 20225 Minutes

Plastik ist phänomenal, populär und peinlich

Früher war es die Steinzeit. Heute ist es die Plastikzeit. Kunststoff begleitet uns von Klein auf in Form von Spielzeug und Windeln. Später im hohen Alter sind wir dann dankbar für unsere Zahnprothese und dem Duschhocker. Der Ruf von Plastik ist aktuell allerdings nicht der Beste. Überall in den Medien hört man gerade, dass die Welt viele Probleme hat. Eins dieser Probleme ist unser Plastikmüll. Auch für tinyteenyhands ist es ein wichtiges Thema. Also lasst uns mal ganz kurz drüber reden:

Warum ist Plastik phänomenal und populär?

Selten, ja eigentlich fast nie, hört man jemanden sagen, dass er oder sie Plastik phänomenal findet. Lieber umschreiben wir unsere Liebe zu Kunststoff und sagen zum Beispiel: „Gut, dass ich die Maske mithabe!”, „Zum Glück gibt es Kondome!” und „Was ein schöner Nagellack!”. Aus Plastik lässt sich fast alles machen, was wir für den Alltag benötigen. Es ist günstig, leicht, formbar, widerstandsfähig und praktisch. Bis dato kennen wir mehr als 200 verschiedene Kunststoffarten. So gibt es zum Beispiel hartes oder auch elastisches Plastik. Aufgrund der vielen verschiedenen Eigenschaften kann man es vielseitig einsetzen. An sich ein super Material, das teilweise sogar angeblich umweltfreundlicheren Alternativen in der Ökobilanz um Meilen voraus ist.

Hand aufs Herz, wie viele Baumwollbeutel alias Jutebeutel verstecken sich in deiner Abstellkammer? Wir kennen das wohl alle. Im Supermarkt merken wir, dass wir unseren Jutebeutel vergessen haben und kaufen einen neuen, um auf eine Plastiktüte zu verzichten. Für das vermeintlich gute Gewissen.

Plastiktüte vs. Baumwollbeute

Mit einem Jutebeutel müssen wir mindestens 131-mal einkaufen gehen, damit er in der Klimabilanz genauso gut oder besser dasteht als die Einweg-Plastiktüte¹. Wenn wir uns im Supermarkt also doch für eine Plastiktüte entscheiden, diese sogar mehrmals benutzen, dann ständen wir mit der Ökobilanz gar nicht so schlecht da. Ich will damit nicht sagen, dass Plastiktüten gut sind, aber immerhin sind sie weniger schlecht für Mutter Erde.

Warum ist Plastik peinlich?

Plastik an sich ist nicht peinlich. Unser Umgang mit Plastik ist peinlich! In vielen Bereich, wie zum Beispiel der Medizin ist es undenkbar auf den Gebrauch von Plastik zu verzichten. Omi zum Beispiel ist sehr froh über ihre künstliche Hüfte und auch ich möchte meine Kontaktlinsen nicht missen. In anderen Bereichen würden wir uns selber mit dem Verzicht einen großen Gefallen tun. Von dem gesamten Plastik, das 2019 in Deutschland hergestellt wurde, waren allein 33% für Verpackungen². In Deutschland verursachen wir pro Kopf jedes Jahr durchschnittlich 39,1 kg allein für Plastikverpackungsmüll³. Was sagt deine gelbe Tonne dazu? Haut das bei dir hin?

Wir nehmen immer mehr Plastik auf und sind uns der Gefahr gar nicht bewusst. Schon damals habe ich meinen Freundinnen immer gesagt, dass sie den Wodka nicht in die Plastikflaschen abfüllen sollen, um im Club Geld zu sparen. Die goldenen Jahre meiner Kindheit. Zu der Zeit war mir zwar nicht ganz klar, was Alkohol in hoher Konzentration mit PET macht, aber das es nicht gesund ist, dachte ich mir schon. Von Mikroplastik habe ich nichts gewusst, doch heute weiß ich, dass es überall ist. In unserem Blut und auch in unserem Urin lässt sich bereits Plastik nachweisen⁴. Durch unsere Luft, Nahrung, Getränke und auch Kosmetiker nehmen wir Mikroplastik auf. Wöchentlich essen wir theoretisch eine Kreditkarte⁵. Die Folgen sind noch nicht absehbar.

Bewusster und reflektierter Konsum im Alltag ist nun mein Vorsatz. Das versuche ich schon seit einer Weile. Doch wie ich durch die Recherchen gemerkt habe, ist mir das nicht immer gelungen. Offensichtlich, denn ich besitze zwölf Jutebeutel. Wie es aussieht, werde ich diese eines Tages vererben, in der Hoffnung, dass jeder einzelne 131-mal in den Genuss kommt benutzt zu werden. Was denkst du darüber, dass wir aktuell in der Plastikzeit leben? Macht es dir Angst und bist du eher gelassen?

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